Was ist Naturheilkunde? Die 5 Säulen und ihre Wirkung | Kräuterkultur
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Was ist Naturheilkunde? Die 5 Säulen und ihre Wirkung

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Was ist Naturheilkunde?

Die Wirkungsprinzipien der Naturheilkunde?

Anders als die Schulmedizin, die auf der Heilung von Symptomen einer Krankheit aufbaut, hat die Naturheilkunde, vielfach auch als alternative Medizin bezeichnet, den Menschen ganzheitlich im Blick und beschränkt sich nicht auf die Heilung oder Linderung von Symptomen, sondern hilft dem Körper, seine Selbstheilungskräfte gegen Krankheiten und Beschwerden einzusetzen. Als sanfte Medizin gewinnt sie neben der Schulmedizin eine immer größere Bedeutung, weil viele Menschen unzufrieden mit der Schulmedizin sind.

Die Naturheilkunde macht sich das Prinzip zunutze, dass jeder Mensch von Natur aus Selbstheilungskräfte hat, die ihm helfen, Krankheiten zu überwinden und Verhalten, das nicht gesundheitsförderlich ist, ausgleichen zu können. Dazu bedient sie sich einer Reihe unterschiedlicher Verfahren, die unter dem Oberbegriff Naturheilkunde zusammengefasst werden. Naturheilkunde ist eine Heilmethode, die auf 5 Säulen der Gesundheit aufbaut:

  • Licht
  • Luft
  • Wasser
  • Bewegung
  • Ernährung

Innerhalb dieser 5 Säulen gibt es ganz verschiedene Verfahren, die eine gemeinsame Basis haben: Sie heilen nicht selbst, sondern geben heilende Impulse, durch die die Selbstheilungskräfte angeregt werden. Jeder Mensch hat schon einmal erfahren, dass Krankheiten oder gesundheitliche Probleme ohne Erklärung verschwinden, ein Zeichen dafür, dass Selbstheilungskräfte vorhanden sind. Naturheilverfahren unterstützen diese inneren Heilkräfte und beziehen im Gegensatz zur Schulmedizin auch die seelischen Kräfte mit ein. Deshalb gehören auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Qi Gong, Atemtechniken oder Imaginationen zum Repertoire der Naturheilkunde.



Schon der griechischen Arzt Hippokrates (ca. 460 – 377 v. Chr.), der als Urvater der Heilkunde gilt, kannte diese Zusammenhänge und sah es als Aufgabe des Arztes an, den Patienten durch sein Wesen zu einem gesunden Leben zu motivieren. Hildegard von Bingen beschäftigte sich ausgiebig mit der Naturheilkunde und der Wirkung von Kräutern, die sie schon im Mittelalter in Büchern aufschrieb. Vor Sebastian Kneipp galt Viktor Prießnitz (1799 – 1851) als einer der Pioniere der Wasserheilkunde. Er arbeitete mit Kaltwasseranwendungen und Diäten. Die Wasserbehandlungen wurden von dem Pfarrer Sebstian Kneipp (1821 – 1897) weiterentwickelt und in mildere Reize modifiziert. Kneipp litt unter schwerer Tuberkulose und stieß durch diese Erkrankung an die Grenzen der Medizin seiner Zeit. Neben Wasseranwendungen und Diät nutzte er die Pflanzenheilkunde. Dr. med Heinrich Lahmann (1860- 1905) arbeitete ebenfalls mit Wasser-, Luft- und Lichtbehandlungen, entwickelte aber auch die Diät weiter, indem er die Wichtigkeit einer basenreichen Kost betonte. Dr. med Alfred Brauchle (1898 – 1964) kombinierte erstmals in seiner Dresdener Klinik die Schulmedizin mit der Naturheilkunde und fasste seine Erfahrungen in einem Buch zusammen, das damals viel verkauft wurde. Er teilte die Heilanreize in zwei große Wirkungsbereiche ein:

  • von der Haut ausgehende Wirkungreize (Sonne, Wärme, Licht, Kälte, Wasser, Erde)
  • Wirkungreize auf die Muskulatur (Ruhe, Entspannung, Massage, Gymnastik, Wegekuren)

Die Naturheilkunde setzt sich aus vielen Verfahren wie Homöopathie, Phytotherapie, Akupunktur, Osteopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Kräuteranwendungen, Biochemische Heilung mit Schüsslersalzen, Massagen etc. zusammen. Ihre Basis bilden die 5 Säulen Licht, Luft, Wasser, Ernährung und Bewegung.

Licht

Schon in der Antike war die Nutzung von Licht als therapeutische Maßnahme bekannt und Menschen wurde angeraten, Sonne zur Regeneration zu tanken. Lichttherapie hat zum Ziel, Patienten mit Infrarotlicht, künstlicher UV-Strahlung oder mit natürlichem Sonnenlicht zu behandeln. In Kuren werden sie oft mit Wasserbehandlung und Bewegungstherapie kombiniert. Besonders Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Akne sprechen sehr gut auf eine Lichttherapie an. Darüber hinaus wirkt Licht auch positiv bei rheumatischen Erkrankungen, Rachitis durch Mangel an Vitamin D und Osteoporose. Die Wirksamkeit bei diesen Erkrankungen ist durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Krankenkassen erkennen daher die Lichttherapie als wichtigen Bestandteil der Therapie an und übernehmen die Kosten. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass durch Sonnenbrand die Hautkrebsgefahr erhöht wird und die Haut altert, wenn Sonnenlicht zu hoch dosiert wird.

Luft

Auch frische Luft ist unverzichtbar in der Vorbeugung und Heilung von Krankheiten, weil die Körperzellen auf diese Weise optimal mit Sauerstoff versorgt werden. Die Naturheilkunde empfiehlt darüber hinaus Luftbäder, bei denen der Körper unbekleidet oder nur teilweise bekleidet ist und mit der Luft in Berührung kommt. Ein Luftbad kann im Freien wie auch im gut gelüfteten Zimmer stattfinden, Winter auch im beheizten, aber vor der Übung gelüfteten Zimmer. Ein paar Minuten morgens und abends helfen bei der Abhärtung des Körpers. Zum Ausgleich von Wärmeverlusten sind Gymnastik und Bürstenmassagen gut geeignet. Luftbäder wirken nicht nur abhärtend, sondern sind auch erfrischend, anregend und beruhigend.



Wasser

Auf seiner Suche nach geeigneten Heilmethoden für seine Tuberkulose entdeckte Pfarrer Kneipp die Wasseranwendungen für sich. Dass Wasser eine positive Wirkung auf die Gesundheit hat, war schon vor seiner Zeit bekannt, aber er verfeinerte die Anwendungen. Die Heilwirkung der Kneippschen Wasseranwendungen, von denen es ca. 120 verschiedene gibt, beruht auf Temperaturreizen. Durch den dosierten Wechsel von Kalt- und Warmwasserreizen wird die Durchblutung angeregt, der Stoffwechsel in Schwung gebracht und die Entschlackung des Körpers gefördert. Viele dieser Wasseranwendung lassen sich leicht in den Alltag integrieren, z. B. morgens nach dem Duschen ein kalter Guss oder während des Tages ein kalter Unterarmguss unter dem Wasserhahn bei Müdigkeit. Bei beginnenden Erkältungen hilft ein ansteigendes Fußbad oder Bad, gegen Kopfschmerzen und geistige Erschöpfung ein Gesichtsguss. Am bekanntesten ist das Wassertreten. Wasseranwendungen härten den Körper ab und stärken die Abwehrkräfte.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung liefert einen wichtigen Beitrag für ein gesundes Leben. Aber Kneipp meinte damit nicht Diäten oder allzu starre Ernährungsregeln, wie sie heute immer wieder auf den Markt kommen. Es geht vielmehr um Genuss und sich wohl fühlen. Schon Kneipp erkannte den Nutzen einer einfachen und nahrhaften Ernährung, die sich in heutigen Ernährungsempfehlungen wiederfinden. Am besten ist eine vollwertige Ernährung mit Obst, Wellness-Drinks, Gemüse, Getreide- und Milcherzeugnissen und mehr Gemüse als Fleisch. Nicht empfehlenswert sind einseitige Empfehlungen wie mehr Kohlenhydrate, möglichst kein Fett oder Low Carb mit viel Fett und Fleisch. Wegen individueller Vorlieben und Unverträglichkeiten ist es sinnvoll, dass jeder für sich selbst die für ihn angenehme Ernährung herausfindet. Hilfreich kann es sein, sich an den Körpersignalen zu orientieren.

Bewegung

Die Regeln von Pfarrer Kneipp sind einfach, zeitlos und gut zu praktizieren. Für ihn gehörte u. a. viel Bewegung an frischer Luft zu den heilungsstimulierenden Reizen. Niemand muss sich dabei zu Höchstleistungen antreiben. “Alle im rechten Maß”, so war Kneipps Devise. Dementsprechend würde er Fitnesstrainings im Fitnessstudio ablehnen und stattdessen Ausdauersportarten wie Spazierengehen, Walken, Radfahren oder Ballspiele an der frischen Luft empfehlen. Dabei sind keine Altersgrenzen gesetzt. Jeder kann sich so bewegen, wie er kann und wie es ihm Spaß macht. Kein Sport der Welt bringt der Gesundheit etwas, wenn man sich dazu mühsam zwingen muss. Es ist auch schon viel gewonnen, wenn man das Auto mal stehen lässt und zu Fuß geht oder die Treppe statt den Aufzug benutzt.



 

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